Ich, mein Rucksack und los…
Auszug meines Reisetagesbuchs 26.11 - 14.12.08
Am 26.11 beginnt endlich meine langersehnte Reise nach Kambodscha. Nach einem turbulenten Start, wegen der Besetzung des Flughafens in Bangkok durch Regierungsgegner, komme ich nur über einige Umwege nach 14 Flugstunden in Siem Reap im Norden des Landes an. Nach fast zweistündigen Einreise – und Visumsformalitäten darf ich endlich aus dem Gebäude raus. Die Taxi- und Motorradfahrer schwärmen aus und belagern uns „Neuankömmlinge“, um uns in ihre Taxis zu lotsen. Ich aber verschwinde unbehelligt durch eine Nebentüre. An der Seite stehen ein paar Jungs mit ihren Tuk-Tuks und spielen Karten. Ich entscheide mich für Mister Tao, wie er sich nennt. Nach kurzer Preisverhandlung fährt er mit mir los. Es ist mittlerweile stockdunkel. Wir fahren über eine unbeleuchtete Landstrasse ins Ungewisse und so langsam fängt es in mir an zu kribbeln: „Mein Abenteuer sollte beginnen…“
Siem Reap, ein ehemalig verschlafenes Nest, hat sich zu einer wahren Touristenhochburg entwickelt, da es sich in unmittelbarer Nähe zu Angkor Wat, der berühmtesten Tempelanlage Süd-Ost-Asiens befindet. Ein lange gehegter Traum von mir geht endlich in Erfüllung.
Es ist 5 Uhr Morgens des nächsten Tages und ich stehe völlig schlaftrunken, nach einer viel zu kurzen Nacht vor meinem Guesthouse und warte auf Mister Tao. Pünktlich kommt er mit seinem lärmenden Tuk-Tuk und strahlt mich an. Hunderte von Tuk-Tuk-Fahrern und Motorradtaxies buhlen um die Gunst der Touristen, viele kommen von weit her, um in irgendeiner Form etwas vom großen Touristen-Kuchen abzubekommen.
Nun geht’s also los… Es gibt wohl nichts, was mich an diesem Morgen auf die majestätische Erhabenheit von Angkor Wat hätte vorbereiten können. Es verschlägt mir einfach die Sprache. Die Sonne geht just in dem Moment auf, als ich vor der atemberaubenden Anlage stehe. Von Augenblick zu Augenblick verändert sich die Stimmung und die Farbschattierungen des Tempels. Ein Meisterwerk, mit seinen fünf gigantischen Türmen, das um 1150 erbaut und dem Hindugott „Vishnu“ geweiht wurde.
Tao gesellt sich zu den anderen Fahrern und es wird fleißig Handfederball gespielt, während ich die Pracht der Tempelanlagen bewundere. Durch den Wald geht’s weiter, von Tempel zu Tempel. Fünf verschiedene Anlagen besuche ich heute, alle haben ihre eigene Ausstrahlung. Ich lausche zwischendurch bei geführten Touren und bekomme so auch einiges von der Entstehungsgeschichte mit.
Abends sitze ich völlig erschlagen in einem netten Restaurant, mit großer Auswahl an leckeren Khmer-Gerichten. Später treffe ich ein paar Leute aus meinem Hostel und wir erzählen von den aufregenden Tagen bei einem kühlen Angkor-Beer.
Nach weiteren ereignisreichen Tempeltagen bringt mich Tao schließlich zum Hafen von Tonle Sap, ein gigantischer Süßwassersee, der für die Menschen Wasserreservoir, Verkehrsader und für die vielen Hausbootdörfer Heimat bedeutet. Der See, der in den gleichnamigen Fluss mündet ist mein Ausgangspunkt für das nächste Etappenziel. Mister Tao und ich verabschieden uns und ich steige vom Tuk-Tuk auf das Schiff um. Hier geht’s turbulent zu. Touristen mischen sich mit Einheimischen. Festverschnürte, zappelnde Jutesäcke stehen überall herum. Manchmal sind Hühner drin, aber auch Schweine sind wohl darin verpackt. Das Schiff ist völlig überladen. Ich quetsche mich in eine Ecke und warte auf die Abfahrt…. Wer soll denn hier noch reinpassen? Warum geht’s nicht los? Mit 2stündiger Verspätung verlassen wir endlich den Hafen. Für kurze Momente bekomme ich Einblick in das Leben der Hausbootdörfchen. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich. In einer wahnsinnigen Armut leben hier die Menschen in primitivsten Verhältnissen und doch dringen lachende Kinderstimmen aus einer Art schwimmenden offenen Klassenzimmer zu mir durch. Der Tag gestaltet sich sehr entspannt. Ich genieße die Szenerie die langsam an mir vorbei zieht. Fischer, die ihre Netze auswerfen, Kinder die im Wasser spielen und herumtollen, Frauen die am Flussufer Wäsche waschen und ganze Familien, mit eingeseiften schaumigen Köpfen, die zu uns rüber winken.
Abends komme ich in Phnom Penh an, der Hauptstadt des Landes. Wieder drängeln sich die Fahrer um uns. Bloß weg hier. Schrecklich diese Belagerungen. Mein Hostel liegt an einer belebten Strasse, in der sich die Backpacker-Szene breit gemacht hat. Internetcafés, Reisebüros und nette Restaurants säumen die Strasse. Auf der Dachterrasse meines Hostels liegen viele Gäste in Sitzkissen oder Hängematten. Ich geselle mich dazu und wir quatschen über unsere Reisen, wo wir her kommen, wo es noch hingeht und was der jeweilige in jedem Fall zu empfehlen weiß.
Den nächsten Tag nutze ich, um mir ein wenig die Stadt anzusehen. Der „Manager“ des Hostels ist auch gleichzeitig Tuk-Tuk-Fahrer. Er fährt mich herum und ich besichtige schließlich auch das Genozidmusem. Am Eingang steht ein Schild: „Don’t smile“. Die Ausstellung ist in den Räumlichkeiten des berüchtigten Gefängnisses S-21 der Roten Khmer untergebracht. Durch diese Tore gingen, Schätzungen zufolge 20.000 Menschen nach unmenschlichen Verhör- und Foltermaßnahmen in den Tod. Das Regime unter Pol Pot wählte seine Opfer fast schon willkürlich aus. Sogar Kinder und Babys wurden verhaftet, grundlos abgeschlachtet und auf den „Killing-Fields“ in Massengräbern verschachert.
Nach diesem bedrückenden Erlebnis lasse ich den Tag ausklingen und plane meine Weiterreise. Ich sehne mich nach Sonne, Stand und Meer. Meine Routenplanung führt mich deshalb in den Süden des Landes nach Sihanoukville. Hier genieße ich für die verbleibenden Tagen meiner Reise das Strandleben in vollen Zügen. Ich besichtige ein paar Inselchen, esse wunderbares BBQ und lasse mich mit Massagen am Strand verwöhnen und genieße die Sonnenuntergänge.
Alleine mit dem Rucksack durch das Land zu reisen war wieder eine große Herausforderung, die aber mächtig belohnt wurde, durch unvergesslichen Begegnungen mit wahnsinnig aufgeschlossenen Einheimischen und gleichgesinnten Rucksackreisenden, die genau wie ich nicht müde werden, Länder auf eigene Faust zu bereisen, um das Abenteuer zu suchen.
Lydida, Dez 2008



Marcel sagte,
12. Januar 2009 um 19:45
Hui, hast das ganze ja noch ordentlich aufgepeppt.
Nu bist du ganz offiziell ein Blogger! Toll.
lydida sagte,
12. Januar 2009 um 22:13
Danke!!! Dein Verdienst!!!