Amit, Ginger, Cheff und ich … (Teil 1)

4. März 2009 at 22:21 (1) (, , , )

Neulich, am Frankfurter Flughafen…

Ein 11 Stunden Flug liegt hinter mir. Erfüllt von wunderbaren Erlebnissen der letzten Reise. Ich stehe am Kofferband. Lange muss ich nicht warten, da kommt er schon, der Rucksack, mein Weggefährte der letzten Wochen.

Jetzt raus hier, endlich eine Rauchen und dann den Typen anrufen, den ich per Mitfahrzentrale „gebucht“ habe. „The person you have called is not available …..“ Mist. Nach dem ich diese Stimme ca. 15 mal angerufen habe, geb ich’s auf und bin so was von Stinksauer. Wie komm ich denn jetzt zu meinem Auto, dass im Siebengebirge, 150km weiter an der A3 steht? Man man man, ich bin so was von geladen! Mit dem Zug fahr ich AUF KEINEN FALL… Nachdem ich einen Blick auf die Bahnpreise geworfen habe, fing ich nur kurz an zu rechnen: Das sind 3 Übernachtungen und ein leckeres Abendessen, in dem Land, wo ich gerade her komme. Noch eine anzünden und nachdenken. Ich habe keine Eile, der Urlaub ist ja erst wirklich zu Ende, wenn ich in meiner Wohnung bin.

Ich muss auf diese verdammte Autobahn. Kurzer Hand fange ich an, die Nummernschilder der wartenden Autos zu checken: FB, WI, S, F noch einer mit F , F… M und da… AC… Also, wenn der nach Aachen fährt, dann muss der bei mir vorbei. Ganz ganz bestimmt. Mein Herz klopft einwenig, ich denkenicht lange nach und klopfe an die Scheibe. Ein Hund fängt an zu bellen, der Fahrer kurbelt  unsicher das Fenster etwas runter.

„Äh Hallo, fahren Sie nach Aachen“, fragte ich leicht unsicher.

„Äh, ja“, sagte der Fahrer skeptisch.

„Äh, wäre es vielleicht möglich, dass Sie mich mitnehmen?“, fragte ich mutig.

Seine Verwirrung ist perfekt.

„Äh, ich warte auf Chef, schon seit Stunden zu spät und Auto ist auch von Chef und Hund auch… Ich weiss nicht… Aber setz Dich mal rein…“, stammelte der Fahrer.

Huii, was mache ich hier. Jetzt bemerke ich erst, das „Cheffauto“  ist ein oller Toyota und innen total vollgerümpelt und vollgemüllt. Ich schiebe mich hinten rein, mit meinem riesen Rucksack. Etwas unbeholfen befreit der Fahrer  meine Rückbank von Müll in Form von leeren Kaffeebechern, Kippenpackungen und Mc Donalds Tüten und stellt sich vor:

„Hallo, Amit, aus Iran“, sagte er nun zu mir.

„Lydia, äh, Hallo noch mal“, antwortete ich ihm.

Wir schütteln etwas ungelenkt zwischen den Sitzen die Hände. Kurzes Schweigen. Nach der Anfangseuphorie, meinem Ziel näher gekommen zu sein, blicke ich mich um und ich frage mich: “Sach mal, Lydia, was machst du hier um Himmels Willen? Mit Amit in dieser fahrenden Müllhalde. Wie in aller Welt bin ich denn nun da wieder reingeraten…warum kannst du nicht, wie jeder normale Mensch mit dem Zug fahren?“ Aus meinen innerlichen Kopfschütteln und großen Zweifeln an meiner Vorgehensweise, werde ich nun von einer Hundeschnauze aus meinen Gedanken gerissen. Ach stimmt ja, da war ja noch wer. Der Hund, ein beiger mopsartiger Bullterrier versucht mit seinen kleinen Beinchen zwischen den Vordersitzen zu mir nach Hinten zu klettern. Eine Art „breites Grinsen“ seh ich in seiner Schnauze und er schafft es fast, sich durchzuquetschen. Den Rest zieh ich ihn, damit er nicht stecken bleibt. Ganz ausgehungert nach Wärme und Zuneigung und leicht zitternd versucht er zu meinem Gesicht zu klettern und mich zu küssen. Schwups, mein Hundeherz ist erobert. Das kleine drollige, dicke Hundemädchen rollt sich auf meinem Schoss ein und ich kraule ihn. Derweil entschuldigt sich Amit unentwegt bei mir für den Hund und fängt an aus seinem Leben zu erzählen. Sein deutsch ist recht gut und ich höre ihm zu und stelle artig weitere Fragen. „Ginger“, wie ich dann erfuhr, mein Moppelfreund kriecht quasi in mich rein und sein Köpfchen drängt er unter meinen Arm. Er wird wie wild gekrault und ich versuche seine wohl sehr langweiligen Stunden in diesem „Auto“ wieder gut zu machen. Amit erzählt mir von seiner Zeit in Marocco, Kanada und wie er schließlich in Aachen gelandet ist. Über seine mehrfachen Zusammenstöße mit der Polizei, als er mal wieder ohne Führerschein für ein Logistikunternehmen LKW-Fahrer war. Aachen- Stockholm, 2x die Woche…Zwei Jahre lang! Kurz schlich sich bei mir die Frage ein, ob er wohl derzeit im Besitz einer Fahrerlaubnis ist… Und im Übrigen: Wo bleibt denn nun CHEFF? Ginger schläft und fängt an zu schnarchen und wimmert im Traum. Nur noch Hundegeräusche erfüllen den Raum. Ich versuche umständlich meinen Tabak, nebst Feuerzeug aus meiner Jacke zu kramen, will Ginger nicht aufwecken und hab Angst, dass sie in den Fußraum rollen könnte. Geschafft. Auf dem Hunderücken drehe ich mir eine Zigarette. Tabak fällt auf ihren Rücken, die Zigarette will einfach nicht rund werden… Ich lecke, fast geschafft, SCHOCK…

Jemand klopft hinten an mein Fenster. Diese Situation ist völlig grotesk. Cheff steht mit einem entsetzen Gesicht da und schaut mich an. Da sitzt eine fremde Frau mit seinem Hund auf dem Schoss, in seinem Auto und dreht sich gerade auf dem Hund ne Kippe…

Die fast fertige Kippe stopfe ich schnell zurück in den Beutel und öffne ungeschickt die Türe, sodass Ginger dabei fast rausfällt.

Cheff schnaubt im fiesesten Aachener Platt::

„Isch glaub mein Schwein pfeift. Wat is hier denn los. Amit, wer is dat??“

(Teil 2 folgt!)

5 Kommentare

  1. Gerald sagte,

    Frau Lydia, wo bleibt Teil zwei. Das ist ja hier fast so schlimm wie Sonntag Abend auf Pro7. Wenn spannend wird komm die Werbepause. =)

  2. lydida sagte,

    Danke für deinen netten Kommentar!

    Ich beeil mich! Jaaa!!! der zweite Teil kommt!!! ;-) ))

    Nächste Woche!

  3. Karo sagte,

    Lydi, die Geschichte kannte ich noch gar nicht. Musste sehr lachen und bitte ebenfalls um Teil 2!

  4. Susi sagte,

    hahah, sehr geile Geschichte, freu mich auf Teil 2!!!

  5. Marcel sagte,

    Hey, hattest du nicht quasi fest versprochen, den 2. Teil noch vor deinem Urlaub zu veröffentlichen ?

    Also ne…

    Der Fanclubpräsident.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.