Teil 2: Amit, Ginger, Cheff und ich … (Achtung erst Teil 1 lesen!)

10. April 2009 at 11:16 (1)

Die Hündin wacht auf , entdeckt ihr Herrchen. Von der peinlichen Situation, in der ich gerade stecke, merkt sie nichts. Aber irgendwie rettet sie mich trotzdem.  Sie fängt an zu bellen und will raus. Ich versuche die dicke Ginger unbeschadet auf die Strasse zu stellen, aber da sie so zappelt, gelingt es mir nicht. Sie rutscht mir aus den Händen und landet unsanft vor den Füssen von Cheff.

Ich bin auch eingekeilt, zwischen Müll, meinem riesen Rucksack und dem Rücksitz, will raus, um mich artig vorzustellen.

Ich, halb aus dem Auto hängend: ” Äh, entschuldigen Sie, ich bin Lydia, meine Mitfahrgelegenheit hat mich versetzt, ich muss die A3 hoch, ins Siebengebierge und wollte Sie bitten mich ein Stück mitzunehmen.”

Von meiner höflichen und extrem aufgesetzten charmanten Art, mit leichtem Hang zur “klein-Mädchen-Stimme” läßt er sich gar nicht beeindrucken. Er beachtet gar nicht, was ich sage. Stattdessen läßt er sich so richtig vor meinen Augen  gehen und begrüßt Ginger.

“Ach mein Djinscher-Liebling… jaaa, Schnäutzel-Bäutzel, jooooo…”, knopft und hätschelt er das dicke Ding.

“Joar, hässe mich vermisst, jooooar, ganz ein braves Mädschen… jooooaar.

Bisse mein Mädschen? Joooar, Papa is wieder da… “

Er kniet sich auf die Strasse und säuselt zu Ginger: “Jipp Papa en Küsschen, Jooooaar, so isset jut”

Er läßt sich von Gingerbaby einmal quer durchs Gesicht lecken und geniesst die Wiedersehensfreude ausgiebig.

Langsam, ohne Hast und ohne ersichtliche Lust wendet er sich mir zu und fragt leicht gereizt: ” Und wat is jetzt mit Ihnen?”

Durch die Situation leicht verstört stammel ich irgendwas von Mitfahrgelegenheit nicht gekommen und ein Stückchen mitnehmen.

Ich fasel noch was von “Rettung in letzter Not” und versichere ihm unterwürfig, dass es super nett wäre, wenn das klappen würde.

Er winkt ab, so von wegen:  Laber mich nich voll, Mund halten, losfahren: “Nee, is jut…” grummelt er und schnappt sich Ginger und steigt auf den Beifahrersitz zu Amit.

Ginger ist unruhig bei ihm vorne und macht Anstalten zu mir nach hinten zu klettern. Ich versuche dem Hund telepatisch klar zu machen, dass er bloß bei Papa bleiben soll.

“Nee, wat machst du denn da?” fragt er seinen dicken Schatzi. Er versucht sich wieder nach hinten durchzuschieben, bleibt wieder in den Gurten hängen und rutscht ab.

” Man du blöde Töhle, bleib bloß vorne, Papa wird eifersüchtig”, denk ich nervös. Aber irgendwie schafft sie es. Papa ist entsetzt…

Er raunt mir nach Hinten zu:

“Kannst von Glück sagen, dass isch so jut jelaunt bin” .

Zu Amit:  “Ne, Amit, auf der Hinfahrt hatte ich so schlechte Laune, ne Amit?”

Betont laut redet er mit ihm… hoert der Junge schlecht?

Cheff macht es sich gemütlich, streckt sich feist auf seinem Sitz und sagt zu uns:

“Bald bin ich fott von hier.  Drecks-Deutschland.  Die können mich mal sowas von kreuzweise hier. Der ganze Driss…! Nach Dubai… wenn alles jut jeht.”

Ich stelle wieder auf extrem gut gelaunt um, stelle höflich meine Fragen und verfalle so langsam in den Rheinischen Dialekt. Er erzählt mir von seiner Firma und dass er ein Korruptionsopfer geworden ist, alles verloren hat, seine 20 Mitarbeiter entlassen musste und er schimpft und schimpft und schimpft.

Ich sitze hinten, streichel Ginger und wünsche mir bald, das er endlich die Klappe hält.

Dann endlich Ruhe. Amit ist total verstummt, raucht Eine nach der Anderen und fährt zügig in den Abend hinein. Plötzlich die Stimme aus dem Off:

“Sie übersteigen die zulässige Höchstgeschwindigkeit”, ich bin völlig überrascht von dieser Technik in diesem zweifelhaften Umfeld. Diesen Spruch aus einem Navi kannte ich noch nicht. Nach dem dritten Einwand der Dame über das gleiche Thema, werfe ich  zaghaft von hinten in den Raum:

“Klugscheisser”

Plötzlich fängt Cheff heftig an zu lachen und prustet:

“Aber ehrlisch, die blöde Kuh soll aufhören zu nerven”.  Dann richtet er sein Wort an die imaginäre Frau aus dem Gerät:

“Sei froh, dat isch so jut jelaunt bin”.

Zu seinem Fahrer: “Ne Amit?”

Amit nickt brav.

Kurz male ich mir aus, mit Cheff im Auto zu sitzen, mit richtig mieser Laune! Diese  Vorstellung gruselt mich.

Ich beobachte die Strassenschilder, rechne aus: noch ca. 15min Fahrt… Dann schließlich kündigt sich meine Ausfahrt an. Amit fährt raus. Mein Auto, ich seh es schon. Ich biete noch höflich an, mich am Benzin zu beteiligen, aber großzügig läd Cheff mich ein. Schnell wecke ich Ginger, Hände werden geschüttelt. “Alles Gute für Dubai”, wünsche ich und vielen Dank und so.

Die Beiden  wenden, winken und sind weg!

Ich verstaue meine Sachen und lasse mich in mein Auto fallen. Drehe mir schnell eine Zigarette.  Ich mache das Radio an: ” Mir kann nichts passieren” von 2Raumwohnung. Ein besseres Lied hätte es gerade nicht geben können!

Mein Urlaub neigt sich dem Ende zu. Durch die Nacht fahre ich nach Hause.

Ich lächele über  meine Abenteuer, über mich  und das LEBEN.

4 Kommentare

  1. Gerald sagte,

    =) vielleicht sollte Ceffe auch mal lieber auf den Jakobsweg anstelle nach Dubai

  2. Marcel sagte,

    Ah, endlich Teil 2….
    Sehr schön eingefangen die Situation.
    Als wäre man selbst dabei gewesen…

    Weiterhin Frohes Ostereiersuchen auf den Philippinen,
    Marcel

    P.S.:
    http://blip.fm/profile/mandraki/blip/6924827

  3. susi sagte,

    Hahahah….
    Sehr geile Story, habe sehr gelacht
    Kannst froh sein, dass Cheffe sooo gut gelaunt war ;-) )))))!!!!
    Susi

  4. Benz sagte,

    Schöne Geschichte, so was ähnliches hatte ich auch mal, allerdings war noch ein Freund dabei… !

    Gerne mehr davon!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.