Kreuz und Quer durch die Philippinen

19. Mai 2009 at 18:44 (1)

Nach einem unerträglich langen Winter, ausgezehrt nach Wärme und Sonnenschein, mache ich mich Anfang April zum angegebenen Treffpunkt auf. Ein Parkplatz an der Autobahnausfahrt. Lothar, meine Mitfahrgelegenheit lässt auf sich warten und mit mir gehen die Nerven durch. Ich werde verrückt, wenn ich jetzt wieder einmal versetzt werde!

Total verspätet komme ich schließlich doch noch am Frankfurter Flughafen an und 1 Std später sitze ich im Flieger, der mich ein Stück näher an mein Reiseziel bringt. Überschaubarer kurzer Aufenthalt in Hongkong. Weiterflug nach Manila, Philippinen.  Blitzgedanken an die Beiden Kölner Tatortkommissare, auf der Suche nach Kinderschändern. Die einzigen Bilder, die ich je von dieser Stadt gesehen hab. Und wenige Stunden später, ich mitten drin, in einem Taxi. Ich will nur zur meiner Unterkunft und endlich Schuhe aus und unbedingt duschen. Die Hitze und vor allen Dingen, die Luftfeuchtigkeit hier, ist wie immer in dieser Jahreszeit und Region, unvorstellbar. Der Taxifahrer versucht mich in ein Gespräch zu verwickeln. Er spricht sehr gutes Englisch. Immer wieder fragt er mich, warum ich allein gekommen bin. Mein imaginärer “Husband” muss mal wieder herhalten. Er ist regelrecht entsetzt von meinem Alleingang und fragt sich laut, warum das bloß mein Mann erlaubt hätte. Wir unterhalten uns so über dies und das und plötzlich verlässt er die Stadtautobahn, mit der Begründung, hier dauert’s ihm zu lange, er kennt eine Abkürzung. Man man man… Gleich zu Anfang mal wieder in dieser Situation zu sein, einem Fahrer völlig ausgeliefert zu sein, versetzt mich total unter Anspannung. Ich fange an zu phantasieren, dass mein Mann auf unsere zwei Kinder aufpasst und in einer Woche nachkommt, um mit mir hier das schöne Land zu bereisen. Ich versuche eine Vertrauensbasis zu meinem Entführer in Spee aufzubauen. Völlig gestört.

Nach knapp 1 ½ Stunden Fahrt setzt er mich vorm Hotel ab, zwinkert mir zu, gibt mir seine Visitenkarte. Ich solle ihn wieder anrufen, wenn ich gefahren werde wollte.

Der Morgen, nach einer sehr anstrengenden Nacht in einem unklimatisierten Hotelzimmer, sitze ich schon wieder in einem Taxi, diesmal “nur“ 45min. Ich möchte zu einem der zahlreichen Busbahnhöfe der Stadt, von wo stündlich Busse in den Norden aufbrechen. Der Busplatz ist so schäbig und die Busse ebenfalls. Ich stutze. Irgendwas fehlt hier… Ach… ich bin die Einzige Ausländerin. Und das Geglotzte ist ziemlich groß. Wo sind denn die anderen Backpacker? Hm… Sehr seltsam. Ich verbünde mich mit der Colaverkäuferin, biete ihr eine Zigarette an und nachdem ich das Ticket habe, unterhalten wir uns noch mühsam. Aber ich mag nicht alleine warten, wenn so viele Augen auf mich gerichtet sind. Im Bus schließlich sitze ganz vorne, alleine. Noch, wie sich herausstellte. Denn dieser Platz wies eine hohe Fluktuation auf. Alle aussteigenden Insassen, nutzen die Gelegenheit um sich noch ein Viertelstündchen mit mir zu unterhalten. Woher ich komme, ob das erste Mal auf den Philippinen und so alleine? Ob ich einen “Boyfriend”  oder “Husband” habe, was ich beruflich mache und so weiter.

Man man man, nach 4 Stunden bin ich völlig platt. Eine Art Speeddating-Marathon, was ich hier liefern muss. Unglaublich. Nachdem bestimmt zwölften Kandidat stecke ich mir ganz unkommunikativ meine Kopfhörer in die Ohren und will nicht mehr. Aus Basta.

Spät am Abend komme ich in einem Dörfchen an und will nur schlafen. Im nächst besten Hotel. Ich muss mir einfach mehr Mühe geben, bei der Wahl meiner Schlafstätten. Wieder lande ich in einer Bruchbude. Schnell Augen zu. Morgen hab ich endlich mein erstes Etappenziel erreicht. Sagada.

Ich bin schon früh wieder am Busbahnhof. Hier ist es noch schäbiger als Gestern. Es herrscht geschäftiges Treiben, aber das Tickethäuschen ist zu. Als anständige Deutsche bleibe ich vor dem Häuschen stehen und bin die ERSTE! Mein „Angestelle“ hat wohl die Leute verunsichert und einer nach dem anderen stellt sich hinter mir an. Wieder bin ich die einzige „Langnase“. Als ich schon im Bus sitze, ziemlich eingepfercht, zwischen ganzen Hausständen, wie es schein, kommt endlich ein Typ mit einem großen Rucksack in den Bus, Glück gehabt. Und ich auch. Endlich nicht mehr alleine in der Fremde. In der ersten Pause lernen Phillip aus Frankreich und ich uns kennen, haben das gleiche Ziel und freuen uns, einander gefunden zu haben.

Nach 6 Stunden Fahrt endlich: “Sagada”, ein beschauliches Bergdorf, auf 1800m gelegen, hauptsächlich bekannt durch seine Höhlen und die so genannten „Hängenden Särge“.

Phillip und ich finden ein nettes kleines Hotel, checken ein und bestellen uns jeweils einen Eimer mit heißem Wasser zum Duschen, denn hier auf dem Berg,  ist’s doch mächtig frisch am Abend.

In einem gemütlichen Restaurant wälzen wir die Reiseführer und schmieden neue Pläne für die kommenden Tage und für weitere Abenteuer…

Bis bald, Lydida

2 Kommentare

  1. Marcel sagte,

    Schade, wär gerne der 1000 Besucher in deinem Blog gewesen….

    Herzlichen Glückwunsch zur 4-stelligen Besucherzahl.
    Wie heisst das nochmal? “Die ersten tausend sind die schwierigsten”, oder so… ?

    Weiter so!

    Gruß
    Marcel

  2. Christoph sagte,

    Hallo Cousine,

    immer wieder schön deine Berichte zu lesen. Sind wirklich toll geschrieben:-) Nächstes mal ruf doch bitte bei uns an wenn du in FRA am Flughafen rumstehst und nicht weißt wie du Heim kommst. Wenn ich Zeit habe kann ich dich auch mal fahren. oder du pennst ne Nacht bei uns.

    Liebe Grüße und bis bald!

    Christoph

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